Meine ersten Tage in São Paulo

23 01 2012

Zuerst schlief ich deftig aus, soll heissen bis ca. Mittags Ortszeit. Dann markierte ich alle Sehnswürdigkeiten, welche ich abklappern wollte in meinem Brasil-Guide und auf der Karte, die ich vom Hostel erhalten hatte und zottelte los. Bald kam ich von meinen Plänen ab und ging nur noch meiner Nase nach. Die Strassen waren an jeder Ecke bestens beschriftet, so wusste ich immer wo ich war.

Ich war etwa 2h unterwegs, als ich zum ersten Mal etwas ass, einen Burger SEM QUEIJO (was dann als Brot mit Fleisch herauskam) und einen frischen Abacaxi-Saft 🙂 Als mein Magen wieder zufrieden schnurrte, lief ich weiter und kam an einen Platz, wo plötzlich alle Brasilianer zur Eile erwachten, herumhasteten und herumschrien. Ich ahnte, dass Regen das Gefürchtete war, aber ich dachte: es ist ja so warm, ein Bisschen Wasser schadet da nicht!

Falsch gedacht! Wie das Foto in „first impressions“ zeigt, war es deutlich mehr als ein Bisschen Wasser! Als der Platzregen in nie gesehenen Mengen begann, kauerte ich mich (erst als ich schon klitschnass und durchgefrohren war) zu ein paar Bettlern und beobachtete das Schauspiel. Bald schon war der Donner so nah, dass ich den Blitz vom Himmel bis in die Strasse vor mir niedergehen sah! Es war umwerfend, gewaltig und einschüchternd! So einen ohrenbetäubenden Donner hatte ich noch NIE erlebt, nicht mal in jener Nacht in den Alpen beim Wandern mit Felicitas…

Was aber meine Sinne noch weiter faszinierte war der arme schwarze Mann, der den Donner dirrigierte! Es schien, als sei es Musik in seinen Ohren 🙂 Das war echt niedlich…

Nach etwas mehr als einer Stunde getrauten sich die Leute langsam wieder auf die Strassen, so auch ich. Doch mein nächstes Ziel war nicht das, was ich erwartet hatte. Auf der Karte war ein grüner Platz eingezeichnet, in Wirklichkeit stellte sich dieser jedoch als riesigen, unüberblickbaren Busterminal heraus! Also fragte ich ein paar Securities nach der Catedral Metropolitana. Keiner wusste wo die war, oder verstand mich absolut falsch (ein Security wollte mich nach meiner portugisischen Vorsprache in ein Fleischladen schicken, und meinte, es sei gutes Fleisch!) und auf der Karte waren diese Strassen nicht mehr eingetragen. Also machte ich Hand mal Pi, wodurch ich mich aber für einige Stunden in die Favelas verirrte. Sehr viel Armut, sehr viel unglaublich hübsche Männer lagen schlafend auf Kartons an den Strassenrändern. Aber auch sehr freundlich, ich kaufte sehr günsig foooormidable Früchte bei einem uralten Mann ein, und schliesslich fand ich auch die Catedral.

Ich hatte mir unterwegs eine durchsichtige Plastikpellerine bei einem Strassenhändler gekauft, mit dieser, meinen Tevas und kurzen Hosen betrat ich nun also dieses Ungestüm von Kirche. Ich machte ein paar Schnappschüsse und flüchtete mich sogleich wieder heraus: nicht meine Welt mit all diesem Protz und Prunk, wo draussen die Welt so einfach war! Draussen fragte ich einen Mann, ob er ein Foto von mir machen könnte (ich fand die Baumfassade vor der Kirche hinwerfend!), doch er teilte mir mit, dass er fast blind sei und schickte mich zu einer Polizistenansammlung. Ich überwand meine Scheu und fragte eine blonde Polizistin. Sie lächelte sogleich und fing an, mich mit portugisischen Fragen zu bombardieren. Aber – ich bekam meine 3 Fotos, dann zog ich weiter.

Ich kam in ein viel belebteres und stadtlicheres Viertel mit Einkausläden entlang den Seiten… Schliesslich lief ich per Zufall an einen mini-Carneval unter einer Brücke (jawohl!), wo Männer auf Stelzen tanzten und die Frauen sagen, musizierten oder tanzten! Echt schön! By the way: überall traf man auf laute Musik in irgendwelcher Form: Musikboxen auf den Strassen aufgestellt, vorbeifahrende Autos mit dröhnendem Bass, Cafes oder Suco-Läden mit tanzenden Kunden 🙂

Auf dem Heimweg verirrte ich mich ein zweites Mal heftig (aus demselben Grund), und als ich schon anfing, mich über die Karte zu ärgern, gelangte ich in ein (ich vermute italienisches) Bonzenviertel, wo die Pflanzen dominierten. WUNDERSCHÖN!!! Die Fassaden waren überwuchert, überall standen kleine Springbrunnen und in der Höhe leuchteten einem farbige Lämpchen und Papillons entgegen. Ein herrlicher Anblick. (Die Fotos sind leider nichts im Vergleich zur Realität!)

Markt

Am nächsten Tag nahm ichs gemütlich und verliess die Jugi nur, um den Markt in der Nähe aufzusuchen. Dort wurde ich zum ersten Mal wegen meinem Fotographieren unfreundlich angesproche. Aber ansonsten ein weiterer sehr positiver Eindruck von São Paulo.

Markt

Heute, am 23.01. benutzte ich zum ersten Mal die ÖV, was nicht leicht war 😀 Ich fuhr zum Parque Ibirapuera, sehr schön, aber nicht gerade ruhig (wie im Guide beschrieben). Er ist das Zentrum für alle Sportlichen von São Paulo, Radler, Rollschuhfahrer, „Jogger“, etc. Faulenzer wie ich werden leider von komischen Vögeln angesprochen, weshalb ich nach etwa 2h wieder ins Bigcitylife zurückkehrte und den Kampf für den richtigen Bus antrat 😛



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2 Antworten zu “Meine ersten Tage in São Paulo”

  • nathi sagt:

    ayee das tönt u spannend! mega exotisch irgendwie.. aber uf durchus positivi art nd wiis! haha aber sonen platzrege.. de isch wohl scho zu recht sones gfürchteds phänomen! 😉 hesch denn du internet ide jugi? und hesch scho paar ideee für de witeri fortgang vo dinre reis oder blibsch mal no es wiili in sao paulo? 🙂
    ENVY YOU! 🙂
    huggg

  • coco sagt:

    heyoo,klar hani internet ide jugi;) hed sogar WiFi aber han ja kän Compi debi und mit mim I-Pod chumi eh nöd klar 😀
    Für de witeri Wäg chasch du obe uf de Link „Route“ klicke, die tueni jewils aktualisiere, wenni meh weiss 😉
    Bis morn bini amäl no da in São Paulo (hüt isch es Fest in ganz SP).
    und ja, bisher sehr sehr positive Idruck, dMänsche, dStadt, Suberkeit, Vegetation, etc. very nice!

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